„Ich wünschte, ich würde am See liegen, und alle schönen Erinnerungen wären aus dem Sommer. Ein Baggersee, Überbleibsel eines stillgelegten Kieswerkes, Baden eigentlich verboten, no one cares. Hier nackt liegen auf dem trockenen Schlamm. Steil fällt das Ufer ab, da brüten Vögel, da ist ein Weiher im Wald, wo Frösche quaken und schnell wegschwimmen, wenn man sich nährt. Ein Ort von Sagen und Legenden, Rituale im Nebel, tief im dunklen Grün glimmt das Gold. Hier ist man still und lauscht und ab und zu, vielleicht alle sechsundsechzig Jahre, verschwindet jemand, der Abstand gerade groß genug, dass es die letzte Generation vergessen hat. Dann geht es mit dem Fahrrad zum Stausee, wir denken nicht an das versunkene Dorf, wenn wir im Boot sitzen oder auf der Staumauer stehen und Butterbrote essen.“
„Dorfstücke“ (2023, Residenz „Schreiben und Textentwicklung“, stellwerk Weimar)

Fotocredit @Dominique Wollniok // Thüringer Theaterverband
„Außerhalb des Themas Queerness hielt mich trotz all der Lobeshymnen irgendetwas zurück – irgendetwas verhinderte, dass ich mich auf die Story wirklich emotional einließ und so mitgerissen wurde, wie ich es von anderen Spielen kenne. Bei einem kurz nach seinem Erscheinen bereits so legendären Titel wie „Baldur’s Gate 3“ musste ich regelrecht auf Erkundungstour gehen, wo denn nun mein Problem liegt. (…) Letztendlich läuft es wohl darauf hinaus, dass ich Weltrettungs-Geschichten inzwischen einfach langweilig finde. Immer geht es gleich um alles: Das eigene Leben, Millionen Unschuldige und die ganze Spielwelt hängen allein von den eigenen Entscheidungen ab. Bösewichte bevölkern die Welt, nicht nur eine*n Endgegner*in gilt es zu besiegen, sondern gleich eine ganze Handvoll. Alle Schattierungen von Fantasy-Bösewichten sind vertreten: wilde, mörderische Barbarenhorden, verblendete Kultistinnen, machthungrige Politiker, perfektionistische Vampirlorde und sogar der Teufel höchstpersönlich. (…) Die Entscheidungen sind allzu oft Entscheidungen zwischen den stereotypen Vorstellungen von „gut“ und „böse“, mit wenig Platz für moralische Graustufen. Will man die Welt retten oder sie zerstören und die Macht an sich reißen? Ich wünsche mir wohl einfach kleinere, intimere Fragestellungen anstatt dieses ewig gleichen Fantasy-Epos, egal wie gut er erzählt sein mag.“
„Ist Baldur’s Gate 3 wirklich das queerste Rollenspiel aller Zeiten?“, queer.de, 2023